Persönliche Betrachtung 2

Der Weg des Bogens
Aus dem Büchlein von Paulo Coelho

Paulo Coelho hat diesen Text mit anderen in dieses Büchlein geschrieben, dass sie zum Nachdenken und reflektieren anregen. Es soll den Leser bewegen, um seinen eigenen Weg zu finden.

Das Büchlein beginnt also mit einer kurzen Geschichte. Tsetsuya ist der beste Bogenschütze des Landes in einem abgelegenen Tal in Japan. Als ein ehrgeiziger anderer Bogenschütze ihn aufspürt und sich mit ihm messen will, stellt er sich der Herausforderung. Doch seine Lehren gibt er nicht an ihn weiter, sondern an einen unerfahrenen Jungen in seinem Dorf.

Das hat Paulo Coelho beim Kyudo * praktizieren inspiriert und seine Gedanken in diese Texte verarbeitet.

Und hier der Text aus dem Büchlein
„Der Weg des Bogens“

Tue dich mit allen zusammen, die ihre Arbeit voller Begeisterung tun.
Aber damit du ihnen nützlich bist, so wie auch sie dir nützlich sind, musst du wissen, welches ihre Werkzeuge sind und wie ihre Fähigkeiten vervollkommnet werden können. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, deinen Bogen, deinen Pfeil, dein Ziel und deinen Weg kennenzulernen.

Der Bogen ist das Leben: Aus ihm heraus kommt alle Energie.
Der Pfeil wird eines Tages davon fliegen.
Das Ziel ist weit entfernt.
Der Bogen aber wird immer bei dir sein, und du musst wissen, wie man ihn pflegt.
Er braucht Ruhezeiten – ein Bogen, der immer mit einer Sehne gespannt versehen ist, immer unter Spannung steht, verliert seine Kraft.
Daher lass ihn sich erholen, wieder Festigkeit gewinnen: Dann wird er, wenn du die Sehne spannst, zufrieden sein und seine Kraft bewahren.
[…] Ein Bogen ist biegsam, aber er hat auch seine Grenzen.
Eine Belastung über seine Möglichkeiten hinaus wird ihn brechen oder die Hand erschöpfen, die ihn hält.
Daher versuche, mit deinem Bogen in Einklang zu sein, und verlange nicht mehr von ihm, als er dir geben kann.

[…] Daher halte den geöffneten Bogen mit Eleganz, sorge dafür, dass jeder Teil deines Körpers nur das Notwendige gibt und vergeude deine Energie nicht.
So kannst du viele Pfeile abschiessen, ohne zu ermüden.
Damit du deinen Bogen verstehst, muss er ein Teil deines Armes und die Fortsetzung deiner Gedanken werden.

Dieser Text bedeutet für mich, dass ich nicht allein arbeiten und sein kann. Deshalb ist es naheliegend, mich um meine Mitmenschen in meinem Umfeld zu bemühen, mit ihnen Kontakte pflegen und Freude für das JETZT zu haben. In meditativen Gedanken lasse ich den Text in mir wirken.

Der Bogen ist eigentlich Leben, das ist mein Körper, das ist Energie. Der Pfeil ist die lebendige Absicht mit der ich die Zielscheibe erreichen will. Ein Vorhaben, ein präziser Wunsch. Eine klare Richtung. Das Ziel ist das, was ich treffen will, was ich mir vorgenommen habe, es zu erreichen. Es kann auch sein, dass das Ziel nicht genau getroffen wird. Dafür suche ich keinen Schuldigen. Das Ziel ist und bleibt meine Wahl. Ich hole das Ziel in Gedanken nahe heran und anerkenne die Distanz.

Darum spanne ich den Bogen sorgfältig, ruhig. Das Bewusstsein, dass mein Körper der Bogen ist, will ich nicht vergessen. Dann kann ich zum Schuss ansetzen und das Ziel treffen. Ich bin mir im Klaren, dass ich alles gemacht habe, damit das Ziel richtig ist.

In meinem Fall sind es berufliche Ziele, persönliche Ziele und auch Wünsche, die in meinem Innern sind und darauf warten, erfüllt zu werden. Es wäre verhängnisvoll, den Bogen zu überspannen. Das Risiko eines Bruchs herbeizuführen.  Damit könnte er (mein Körper) unbrauchbar werden.

Wie erreiche ich nun das Ziel? Mit dem Pfeil auf meinem Bogen. Mit der Absicht, das Ziel zu treffen. In loser Folge will ich weitere Texte zum Bild des Bogens beitragen, weil sie mich begleiten und anregen.

Daran will ich dich teilhaben lassen. Mit diesen Texten wünsche ich dir viel Freude.  Mich beflügeln solche Texte. Sie vermitteln Leichtigkeit. Beschwerliche Wege sind unbeschwerter geworden. Heiterkeit ist eingekehrt und Freude über alle Begegnungen mit Menschen und Lebewesen (auch Pflanzen). Damit sende ich dir meine besten Grüsse mit einer Leichtigkeit, die beflügelt.

Simon Fontana
Coach & Supervisor BSO

* Japanische Form des Bogenschießens auf ein 28 m entferntes Ziel.

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